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Martin Schneider
Kennst du Leo Tolstoi? 

Welche Persönlichkeit steckt hinter diesem großen Mann der russischen Literatur? Über das bewegte und gegensätzliche Leben Tolstois weiß dieses Buch zu erzählen. Zugleich stellt es einige ausgewählte Werke dieses großen Visionärs in Auszügen vor.

 

Schloss Gottorf
Toreinfahrt
Toreinfahrt

Das an der Schlei gelegene Städtchen Schleswig, Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums Schleswig, mit seinen rund 24.000 Einwohnern ist nicht nur als bedeutende frühgeschichtliche Handelsmetropole der Wikinger bekannt. Im Mittelalter wurde Schleswig zur Bischofsresidenz. Auf den alten Fundamenten der einstigen Burg wurde Schloss Gottorf errichtet, das größte Schloss Schleswig-Holsteins.

Im Mittelalter galt Gottorf als eine der wichtigsten Wehrburgen und außerdem als wirtschaftlicher und diplomatischer Knotenpunkt im Grenzland zum dänischen Königreich. Im Jahr 1492 zerstörte ein verheerender Brand weite Teile der mittelalterlichen Burg. Danach wurde das Gebäude nach dem Zeitgeschmack der norddeutschen Frührenaissance wieder aufgebaut, seinerzeit das erste seiner Art nördlich der Elbe. 1544 wurde Schleswig zur Residenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf. Eine weitere Feuerkatastrophe in der Neujahrsnacht zwischen den Jahren 1564/ 65 gab den Anlass zur Errichtung einer vierflügeligen Festungsanlage.

Schloss Gottorf und Globushaus
Schloss Gottorf und Globushaus

Der heutige weiße Anstrich der Außenfassade stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts. Die jetzige Zufahrt war im 17. Jahrhundert mit einem Torhaus und einem Renaissance-Galeriebau ausgestattet. Im Erdgeschoss des Südflügels befindet sich ein gotischer Saal, die sogenannte Königshalle, der sich über andere Bauphasen hinweg erhalten hat. Im 17. Jahrhundert war der Saal Standort der Kunstkammer und Bibliothek. Der Südflügel besaß in der Epoche des Barock symmetrische Fensterreihen und Enfiladen. Zudem wurden nach und nach raumgreifende Korridore sowie ein großzügiges Treppenhaus im Turm angelegt.

Die Kernanlage des Schlosses liegt auf  einer Insel, die vom Burgsee umschlossen wird. Insel und See sind natürlichen Ursprungs und waren einstmals mit der Schlei verbunden. Im Mittelalter schützten Mauern um die Insel die Burg vor Eindringlingen. Ein Damm diente als Verbindung zu den außerhalb des Festungsgeländes liegenden Gärten, dem Vorwerk. Auf der Insel gab es neben einem Ballhaus auch ein Bärengehege.

In den Marställen östlich des Schlosses hat man zeitweilig mehr als hundert Tiere versorgt. In den besten Jahren des Schlosses waren über 400 Menschen im Gefüge des Hofstaats von Gottorf beschäftigt.

Als einer der wichtigsten Regenten des Gottorfer Schlosses gilt Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf. Unter seiner Regierung etablierte sich Schloss Gottorf als einer der einflussreichsten Fürstenhöfe der Zeit. Gottorf wurde zu einem kulturellen Zentrum in Nordeuropa. Beigetragen haben dazu vor allem die Exklusivität des Neuwerkgartens mit seinen seltenen Früchten aus aller Welt und der Gottorfer Globus, der über die Mauern des Schlosses hinaus als Meisterwerk der Handwerkskunst und Astronomie gefeiert und bewundert wurde. Friedrich war ein erfolgreicher Förderer von Kunst, Wissenschaft und Kultur. Viele Künstler tauschten sich mit ihm aus oder wurden von weit her an den Hof geholt. Selbst Orientexpeditionen und Handelsreisen nahmen ihren Anfang in Gottorf. Namhafte Persönlichkeiten wie der Bibliothekar und Hofgelehrte Adam Olearius, der die Pläne für den Riesenglobus konstruierte oder der Hofmaler und Rembrandt-Schüler Jürgen Ovens standen im Dienst des Gottorfer Herzogs. Weiterhin unterhielt Friedrich eine große Bibliothek. Die reichen Sammlungen seiner Kunstkammer, wie etwa die Cranach-Gemälde, die seine Frau Maria Elisabeth von Sachsen aus der Mitgift in die Sammlung einbrachte, trugen zu Ruhm und Bewunderung bei. Sein Sohn Christian Albrecht gründete 1665 die Kieler Universität. Bereits unter Friedrichs Herrschaft hatte es Bemühungen um eine nordische Universität gegeben.

Der Neuwerkgarten von Schloss Gottorf, den Herzog Friedrich III. ab 1637 anlegen ließ, gilt als der erste barocke Terrassengarten nördlich der Alpen. Als Vorbild nahm er sich die Terrassengärten Italiens. Berühmt wurden seine exotischen Anpflanzungen von Zitrusfrüchten oder sogar Ananas und Aloe, die für das norddeutsche Klima und die Hofgärtner eine echte Herausforderung darstellten. Zudem sind sie damit wohl auch Beweis ihrer erstmals gelungenen Kultivierung in Nordeuropa.

Im 18. Jahrhundert verfiel der Neuwerkgarten zunehmend. Trotz Vernachlässigung haben sich von den ehemals etwa 1200 Arten bis heute circa 20 erhalten. Die Restaurierung des früheren Vorzeigegartens und Stolzes der herzoglichen Familien auf Gottorf begann ab 1984. Seitdem ist er in Schleswig-Holstein der einzige frei zugängliche barocke Garten in Originalgestalt.

Gottorf beherbergt neben den Kunstschätzen des eigentlichen Schlosses auch das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und das Archäologische Landesmuseum mit seinen berühmtesten Exponaten: den beiden Moorleichen von Windeby.

 

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Foto: Ulrike Unger

Textquellen:

http://www.schloss-gottorf.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Schleswig
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Gottorf