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Um 1815 zwei Männer, beide Maler der Romantik – der eine in London, der andere in Dresden; der eine weltoffen, der andere düster melancholisch. Es sind J. M. William Turner und Caspar David Friedrich. Der Roman erzählt aus beider Leben und spielt mit dem Gedanken eines Treffens.

Um ewig einst zu leben
von Christoph Werner

Matthias Claudius

Matthias Claudius

Ulrike Unger

Der Journalist des Wandsbecker Bothen und Dichter des volksliedhaften Tons, als der er bekannt ist, hat viele Jahre seines Lebens in Wandsbek verbracht, aufgewachsen ist er jedoch in Südostholstein.

 

Matthias Claudius wurde 1740 in Reinfeld geboren. Die jetzige Kleinstadt, zwischen Bad Oldesloe und Lübeck gelegen, war damals noch ein ruhiges Dorf. Bauern und Handwerker lebten und arbeiteten hier. Die beiden wesentlichen Gebäude des Ortes waren die auf einer leichten Anhöhe stehende Gemeindekirche und das 1775 abgerissene Schloss. Reinfeld gehörte vormals zum winzigen Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön. Das Schloss war der Witwensitz Dorothea Christinas, deren Sohn, Herzog Friedrich Carl, im nicht weit entfernten Plön residierte.

Die Kirche, ein weißer Schlichtbau, sollte der weltanschauliche Lebensmittelpunkt des jungen Matthias Claudius werden. Der Vater war Pfarrer von Reinfeld und konnte auf eine beachtliche berufliche Stammlinie zurückblicken. Bereits in der Reformationszeit hatten seine Vorfahren als Pastoren gewirkt. Im Pfarrhaus musste es oft wie in einem Bienenstock zugegangen sein. Sieben weitere Geschwister und zwei Halbbrüder teilten sich gemeinsam mit den Eltern den Wohnraum. Um die Pfarrei war ein weitläufiger Garten mit Ostbäumen angelegt, der für die Versorgung der Familie bereitstand. Auch einige Kühe gab es. Das Dorf lag eingebettet in eine hügelige Landschaft. Felder, Wiesen, Waldstücke und drei Seen grenzten an. Häufig streifte der Junge allein oder mit den Geschwistern und Dorfkindern umher, nahm die Natur in all ihren Facetten in sich auf – den Mond, die Tiere und Bäume, den Lauf der Jahreszeiten, für all das entwickelte er einen offenen Blick. Die dörfliche Gemeinschaft mit ihrem engen Kontakt zur Natur wurde ihm zur Idealvorstellung. Matthias Claudius blieb dem Landleben auch als Erwachsener verbunden. Die Sprache des Volkes und dessen Gebräuche bildet er vielfach in seinen Texten ab. Diese Verbindung drückt sich vielleicht auch in dem Kosenamen „Mein Bauermädchen" aus, mit dem er seine spätere Ehefrau Rebekka benannte.

Vom Garten des Hauses aus konnte man schnell den größten der Seen erreichen. Oft war der Junge mit dem Boot auf dem Wasser des Herrenteichs unterwegs und ließ seiner kindlichen Phantasie freien Lauf. Eine alte Biographie über den Dichter erzählt davon, wie er beinah in diesem Teich ertrunken wäre, hätte ihm nicht einer seiner Brüder den Arm zur Rettung gereicht.

Es heißt, die Eltern zogen ihren Nachwuchs gütig und liebevoll auf. Sie pflegten untereinander ebenfalls ein Verhältnis, das von Respekt gezeichnet war. Der Vater hatte nichts übrig für religiöse Eiferer, sondern betonte die versöhnlichen und toleranten Aspekte des Christentums, die er auch seinen Kindern vermittelte. Matthias Claudius kritisierte als erwachsener Mann immer wieder den Dogmatismus der orthodoxen Kirche.

Die Familie war überaus fromm. Das Lesen erlernte der Sohn Matthias daher zuerst anhand einer Bibel, vielleicht während der Abende, an denen die Mutter ihre Kinder zum Erzählen von Volksmärchen und Bibelgeschichten zusammenrief. Manchmal durfte sich der Junge eigene Predigten ausdenken, die er dem Vater, auf einem Stuhl stehend, vortrug. Praktischer Glaube und Volkstümlichkeit entfalteten sich unter anderem aus diesen positiven Erfahrungen.

Mit dem nur ein Jahr älteren Bruder Josias wurde Matthias Claudius 1755, im Alter von 15 in die Lateinschule nach Plön geschickt. Danach studierte er zunächst Theologie, dann Rechts- und Kameralwissenschaften in Jena. Die Fakultät genoss zu dieser Zeit einen sehr guten Ruf, viele holsteinische Landsleute hielten sich deswegen in der thüringischen Universitätsstadt auf.

In Matthias Claudius′ kleinem Geburtsort gibt es nach wie vor Hinweise auf dessen prominentesten Bewohner. Am Ufer des Herrenteichs steht seit 1989 ein Granitdenkmal für den Dichter, auf dem sich der vollständige Text seines berühmten Abendlieds „Der Mond ist aufgegangen” befindet. Die Kirche Reinfelds (1636 erbaut) trägt heute den Namen Matthias-Claudius-Kirche.

 

 

Quellen:

Wolfgang Stammler: Matthias Claudius, der Wandsbecker Bothe. Halle/Saale: 1915.
Annelen Kranefuss: Matthias Claudius. Eine Biographie. Hamburg: Hoffmann und Campe 2011.