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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Marzipan - eine Lübecker Gaumenfreude

Marzipan - eine Lübecker Gaumenfreude

Ulrike Unger

Als „Haremskonfekt" bezeichnete es Thomas Mann und fand, es liege schwer im Magen. Trotz der kritischen Distanz, die der Literaturnobelpreisträger zu der süßen Nascherei einnahm: Viele Menschen lieben es - und das nicht nur in der Marzipanstadt Lübeck.

Die Grundzutaten für die berühmte Köstlichkeit sind schnell aufgezählt: Mandeln, Zucker und Rosenwasser zur Aromatisierung. Die hauseigenen Rezepturen einer jeden Konditorei bleiben natürlich geheim. Die vielseitigen Nuancen der unterschiedlichen Marzipanerzeugnisse hängen von der Herstellung und Verarbeitung der Rohstoffe ab.

Marzipan ist so variantenreich wie geschmackvoll, man kennt es als geformte Glücksschweine, Schornsteinfeger- oder Hufeisenfiguren zum Jahreswechsel, Kuchenfüllung oder Hochzeitstortendekoration und in der Adventszeit als mit einer feinen Zimtschicht bestaubte Kartöffelchen oder mit herber Schokolade überzogene Marzipanbrote. Irgendwann begann man nämlich in Lübeck die feine hellgelbe Masse aus Mandeln und Zucker mit Schokolade zu überziehen. So wurde das Marzipan zur Praline.

Marzipan ist hierzulande seit dem Mittelalter bekannt. Aus dem Orient kommend trat es im 12. Jahrhundert seinen Siegeszug im Abendland an. Heute ist es in Deutschland untrennbar mit der alten Hansestadt Lübeck verbunden. Damals lagen in den Häfen die Hansekoggen der Kaufleute. Mit ihren großen Frachträumen und der Hochseetauglichkeit boten sie optimale Voraussetzungen für den Transport großer Mengen kostbarer Güter aus dem fernen Osten. Lübeck prosperierte durch den Seehandel zur „Königin der Hanse". Mandeln und Rohrzucker, zu dieser Zeit äußerst luxuriöse Zutaten, stammten aus Persien.

Verzehrt wurde Marzipan zunächst ausschließlich von der privilegierten Oberschicht, von Königen, Fürsten und Feldherren. Um auf den edlen Wert der Rohstoffe hinzuweisen, wurde es gebräuchlich, Marzipan an den Höfen sogar mit Blattgold zu überziehen. Bevor sich der Beruf des Zuckerbäckers entwickelte, waren exquisite Substanzen wie Zucker nur Apothekern zugänglich, die damit handeln durften. Somit wurde dem Marzipan zunächst vor allem eine heilende Wirkung nachgesagt. Man empfahl es bei Darmbeschwerden oder als Potenzmittel.

Während Marzipan von den einen heiß geliebt, von den anderen verschmäht wird, gibt die Herkunft des Namens der Süßigkeit nach wie vor Rätsel auf. Viele Erklärungsmöglichkeiten kursieren in Wissenschaft und Volksmund. Häufig findet sich die Ableitung aus dem Lateinischen Begriff marci panis als „Markusbrot". Lübecks Marzipanhersteller bezogen ihre Mandeln aus Venedig und benannten ihre Zuckerware nach dem Schutzheiligen der Stadt, Markus. Bisweilen spricht man auch von aus dem Spanischen hergeleiteten massa de pan, was soviel wie Brotteig bedeutet und auf die teigartige Grundmasse verweist. Verwandt klingt allerdings auch das ebenfalls im Spanischen beheimatete mazapan, was mit Keulenbrot übersetzt werden kann und ein Hinweis auf die Verarbeitung zerstoßener Mandeln ist. Im arabischen Sprachraum existiert das Wort mauthaban, unter anderem eine Bezeichnung für eine byzantinische Münze, die einen sitzenden Christus abbildet. Wie aus der Münze die Leckerei, die wir heute Marzipan nennen, wurde, ist umstritten. Angeblich soll die Münze später dem Wert einer Konfektschachtel entsprochen haben.

Die Legende von der Erfindung der Süßware wird in Lübeck gern erzählt. Im 17. Jahrhundert, da die Stadt von den Schweden belagert wurde, begannen die Vorräte knapp zu werden. Dem Volk drohte der Hunger. Ein einfallsreicher Bäcker kam auf die Idee aus reichlich gestampften Mandeln und Zucker, denn dies waren die einzigen Lebensmittel, die noch in den Speichern der Stadt zu finden waren, Brote zu kreieren. Die Mandelbrote retteten den belagerten Lübeckern durch ihre Nahrhaftigkeit das Leben. 

Die Geschichte erzählt man sich in erstaunlich ähnlicher Weise ebenfalls in anderen Marzipan-Hochburgen wie etwa im nordspanischen Toledo. Ob nun in Spanien, Königsberg, der Provence oder Lübeck hergestellt, Marzipan hat neben seiner spannenden Historie auch geschmacklich viele Geister bewegt. Der Gelehrte Thomas von Aquin nahm das Marzipan sogar von der Liste der verbotenen Speisen während des Fastens, so sehr hatte ihn wohl der Genuss der Mandelspeise betört.

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