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"Und wenn sie noch gelesen werden, so leben sie noch heute."
Wer weiß mehr über das Brüderpaar zu erzählen als deren Märchen? Dies Buch gibt Einblicke in das Leben der beiden. Ausschnitte aus Briefen, Märchen und Sagen sowie Fotos und Bilder ermöglichen eine umfangreiche Sicht auf die Schaffens- und Lebenszeit der Brüder Grimm.
 
Kennst du die Brüder Grimm?
vorgestellt von Kurt Franz und Claudia Pecher
EUR 14,80
Wilhelm Wisser

Wilhelm Wisser

Ulrike Unger

Eine der zentralen Figuren, um die sich die Erzählungen immer wieder ranken, ist der Dummhans, ein Bauernjunge und jüngster Spross einer Familie, dessen Schläue stets verkannt wird, der sich aber doch im Laufe der Erzählung als „plietsch" – wie man im Plattdeutschen sagt – beweist. Dass die vielen Geschichten vom Dummhans heute noch bekannt sind und weiterhin gelesen werden, ist dem Märchensammler Wilhelm Wisser (1843–1935) zu verdanken.

 

Märchenbuchausgabe für Erwachsene aus 1919
Märchenbuchausgabe für Erwachsene aus 1919

Der Wilhelm Grimm Norddeutschlands

Wilhelm Wisser war so etwas wie ein Bruder Grimm des Nordens, denn ungefähr 100 Jahre nachdem Jakob und Wilhelm Grimm ihre hochdeutschen Kinder- und Hausmärchen gesammelt und veröffentlicht hatten, tat Wisser dies für den niederdeutschen Raum und in der Volkssprache der Kätner, Handwerker, Tagelöhner und Kleinbauern seiner Heimat Ostholstein. Ab 1898 begann er gezielt über 230 greise Männer und Frauen vorwiegend im ländlichen Raum zwischen Lübeck und Fehmarn aufzusuchen, die ihm überlieferte Volksmärchen zu erzählen wussten. Authentisch und in ihrem ganz persönlichen Erzählstil. Auf Hinweis des Eutiner Pastors knüpfte er zunächst Kontakte zu der alten Frau Stina Schloer, die in Griebel bei Eutin wohnte. Von ihr erfuhr er die ersten, ihm noch unbekannten Erzählungen. Aus einem reichen Fundus konnte er dabei auch bei dem 80-jährigen Maurer Johann Hünike, der in Neustadt lebte, schöpfen. Allein von ihm hörte Wisser über dreißig Geschichten. Von Wisser selbst ist außerdem der Name einer gewissen Christine Block aus dem Dorfe Kröß weitergegeben, die ihm als eine der bedeutendsten Quellen für sein Konvolut an Volksmärchen gedient hat.

Rund zehn Jahre lang war Wilhelm Wisser damit beschäftigt, die alten Erzählungen zu sammeln und aufzubereiten. Wie aufwendig das war und mit welchen Hürden sich der Sammler auseinandersetzen musste, berichtet er in seinem Buch „Auf der Märchensuche”.

Großmutters Märchen

Heinrich Wilhelm Wisser wurde 1843 in Klenzau/Ostholstein geboren. Sein Vater war ein Schuhmachermeister, der seinen Geldbeutel als Kätner, also als Kleinstbauer mit wenig Land und kaum Tieren, aufbesserte. Seine Mutter war eine Hökerfrau, die von Haus zu Haus zog, um ihre Waren zu verkaufen. Der junge Wisser wuchs ab einem Alter von zwei Jahren bei den Großeltern in Braak auf und kam so frühzeitig mit dem Märchenschatz der Großmutter in Berührung, der er oft beim Erzählen lauschte. Das heute als Wisser-Kate bekannte Reethäuschen der Großeltern, steht seit 1984 unter Denkmalschutz. Ein Verein kümmert sich um seine Erhaltung und lässt dort auch immer wieder Veranstaltungen stattfinden.

Märchenbuchausgabe von 1904
Märchenbuchausgabe von 1904

Vom Oberlehrer zum Märchenprofessor

Wilhelm Wisser machte das Abitur in Eutin (die Angaben in den Quellen sind widersprüchlich, an manchen Orte heißt es auch: in Plön) und studierte zunächst in Kiel und dann in Leipzig Altphilologie und Germanistik. Schließlich arbeitete er als Gymnasiallehrer in Eutin und in Jever. Den Professorentitel erhielt Wisser 1870. Erst im Alter von 55 Jahren begann er sich der systematischen Sammlung und Erforschung niederdeutschen Märchengutes zu widmen. Diese Tätigkeit wurde letztendlich zu Wissers Lebenswerk, was ihm den wohlwollenden Beinamen „Märchenprofessor” einbrachte.

Die für Kinder geeigneten plattdeutschen Märchen ließ er unter dem Namen „Wat Grotmoder vertellt” in drei Bänden herausgeben. Seine Leistungen als Forscher würdigte man mit dem Abdruck seiner zusammengetragenen Texte in der Sammlung „Märchen der Weltliteratur”, wodurch diese international anerkannt wurden. Mit 92 Jahren starb der Märchenprofessor 1935 in Oldenburg/ Oldenburg.

Übrigens: Auch Wilhelm Wisser selbst soll ein talentierter Erzähler gewesen sein, um den sich Kinder und Erwachsene gern zum Zuhören scharten.

 

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Quellen:

http://tychsen.homepage.t-online.de/platt/wisser.htm
http://alt-oldenburg.de/oldenbuerger/liebenswerte-mitbuerger/wilhelm-wisser/index.html
http://www.lb-oldenburg.de/pdf/biohandb/u-z.pdf
http://dorfschaft-braak.de/Wilhelm-Wisser-Verein.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Wisser
 
Abbildungen: gemeinfrei
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