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Florian Russi
Der Drachenprinz

Märchen, Sagen und Geschichten aus der Mitte Deutschlands.

Twiete

Ulrike Unger

Wer schon einmal durch malerische norddeutsche Kleinstädte spaziert ist, dem mag ihr Charme, ihre Besonderheit nicht entgangen sein, wenn er sich auf Pflasterstein fortbewegend, an gemütlichen Cafés entlang oder kleinen individuell eingerichteten Lädchen in Backsteinarchitektur das liebenswerte Flair des Nordens erobert. Die „Twieten", das sind enge Gassen, schmale Durchgänge zwischen den Häuserreihen. Der Duden spricht auch von „Zwischengässchen". Da sie zu schmal sind, sind sie in der Regel nicht befahrbar. Im Baubild einer Stadt ist die Twiete das harmonische Gegenstück zur lauten, belebten und vielbefahrenen Hauptverkehrsstraße, zur Einkaufsmeile. Von der Herkunft betrachtet, bedeutet der mittelniederdeutsche Begriff „Twiete" ursprünglich „Einschnitt".

Aber nicht nur die kleinen Städte, auch Lübeck oder Kiel haben sie. In Lübeck sind es jedoch eher die berühmten Gänge, die Einheimische und Touristen gleichermaßen anziehen. Sie sind ein fester Bestandteil der historischen Architektur der Stadt und aus dieser nicht wegzudenken. Der Unterschied zur Twiete findet sich in der Baustruktur. Gänge sind geschlossen bebaut und können alleine stehen, während eine Twiete meist zwei größere Straßen miteinander verbindet. Oft tragen Twieten die Namen ihrer Anwohner, deren Berufe (Schustertwiete) oder die Bezeichnung dort befindlicher Gebäude (Klostertwiete oder Schultwiete).

Durch die enge wie hohe Bebauung der Straßen und die Verwendung leicht entzündlichen Baumaterials wie Holz oder Reet, kam es früher viel häufiger zu Stadtbränden oder Teilbränden innerhalb der Häuserviertel als heute. Twieten dienten dann oft als Löschwege, um an schlecht erreichbare Häuser zu gelangen.

 

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·  Duden. Die deutsche Rechtschreibung 2006
·  Wikipedia: Twete
·  Hamburger Abendblatt
·  www.holsteinischeschweiz.de/twieten

 

 

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